Sign in / Join

Gegenüberstellung Aussagen Residenzmodell vs Fakten

278
0
Teilen:

Meine Erlebnisse als Trennungsvater mit einem aufgezwungenen Residenzmodell für meine Kinder hätten mich sicherlich schon mehrmals an den Rand des Wahnsinns gebracht. Ich selbst habe gedacht, ich muss verrückt sein, dass ich so allein dastehe mit dem, was ich will und was ich als ganz normal für mich, für meine Kinder und für mein Leben mit meinen Kindern meinen Werten entsprechend empfinde.

Geholfen haben mir dabei folgende Dinge:

Meine Partnerin

…die selbst eine immense Entwicklung hinter sich hat: Von einer Mutter, die dem Vater der Kinder nicht wirklich etwas zutraute, vom Nicht-loslassen-können, dem Suchen des eigenen Wertes (der sich als Mutter so einfach über die eigenen Kinder definieren lässt, während an anderer Stelle einfach nur ein riesiges Vakuum herrscht), einem Leben im Residenzmodell, hin zu einem paritätischen und selbstverständlichen Wechselmodell.

Die sich nicht mehr als dringend nötig mit dem Vater der Kinder abstimmen wollen würde; die lieber ihren Weg durchzieht und jeden Impuls von „der anderen“ Seite eher als störend empfindet/empfand. Von einer Mutter, die ganz sicher kein paritätisches Wechselmodell für ihre Kinder wollte, dann aber gewissermassen damit überrumpelt wurde und daraufhin die Größe und den Mut hatte, es dennoch zuzulassen.

Die daraufhin entdeckt hat, welches Potential sich allein für sie darin versteckt! Geschweige denn für die Kinder, die selbstverständlich und frei zwischen den Haushalten hin und her wechseln können. (Anders als im Residenzmodell, in dem sie ja – meist sogar viel öfter als im paritätischen Wechselmodell – auch hin und her wechseln. Nur sind sie dabei unfrei und geraten bei Konflikten der Eltern zwangsläufig in Loyalitätskonflikte.

Meine große bunte Patchworkfamilie

…in der ich erleben konnte, wie sich zwei Kinder frei und ohne Besitzansprüche eines Elternteils zwischen den Haushalten im paritätischen Wechselmodell bewegen können und dadurch mit jeglichen Schwierigkeiten, die in jedem Haushalt auftauchen, viel leichter, unbeschwerter und gesünder umgehen können und konnten. Das beobachten zu können hat mir sehr geholfen, denn…

Zwei andere Kinder konnten das nicht, ihnen und mir wurde ein Residenzmodell aufgezwungen.
Jede auftauchende Schwierigkeit fand im anderen Haushalt eine extreme Resonanz, bis hin zu in den Gerichtsverhandlungen, in denen diese „Schwierigkeiten“ wiederholt Thema waren. Das führte dazu, dass alles unnötig aufgebauscht wurde und es in der Folge viel schwieriger war, den „Problemen“ zu begegnen und sich an Lösungen heranzutasten. Manche der „Schwierigkeiten“ brauchen auch keine Lösungen, sondern waren/sind einfach Gegebenheiten. Mit diesen Gegebenheiten konnten und können meine Kinder sich sehr viel schwerer abfinden als die Kinder, die unbeschwert von Haushalt zu Haushalt wechseln können und keinen Elternteil über die Maßen entbehren mussten, bzw miterleben mussten, dass ein Elternteil plötzlich aus allem rausgehalten wird und zu einem Besuchselternteil – gegen seinen Willen – degradiert wird.

Dazu gibt es ein drittes Kind, das über mehr als ein Jahr überhaupt überhaupt keinen Kontakt zu mir haben durfte und auch dann nur sporadisch und später wieder seltener. Da bekommt „Residenzmodell“ eine ganz neue Bedeutung…
Jede – noch so wichtige – Veränderung wurde von unglaublichen Schwierigkeiten verunmöglicht. In jedem Fall musste ich über mehrere Anträge auf Umgangsregelung vor dem Familiengericht ein Mindest-Fundament an Normalität und Kontinuität herstellen lassen. Das hat auch funktioniert, war aber sehr langwierig.
Dieses Kind hatte überhaupt keine Schwierigkeiten jemals, sich bei mir einzufinden. Sie hat mich sofort als Papa erkannt und angesehen, mir vertraut, sich auf mich gefreut, es als schade empfunden, wieder weg zu müssen (während alle anderen dageblieben sind). Sie hat ohne irgendein Problem das erste Mal bei mir geschlafen (und alle folgenden Male auch). Auch der Wechsel von einer Übernachtung auf drei Übernachtungen verlief ohne irgendeine Besonderheit. (Und ich habe es sehr genau beobachtet, um helfen zu können, wenn etwas problematisch wäre.)

Mit den über mehrere Jahre andauernden Streitigkeiten – während der ich gegen eine nicht unerhebliche Kraft, es nicht zu ermöglichen, arbeiten musste – ergaben sich dann aber ebenso Loyalitätskonflikte, wie bei den anderen Kindern, die bei ihr vorher zu keinem Zeitpunkt eine Rolle gespielt haben.

Bis hierhin hätte in jedem Falle eine andere Voraussetzung für getrennte Eltern von gesetzlicher und rechtsprecherischer Seite jede Schieflage vermieden werden können. Die geschilderten Schwierigkeiten konnten nur im erzwungenen Residenzmodell in diesem Maße gedeihen, da die Voraussetzungen für beide Elternteile total verschieden sind.

Allein die Loyalitätskonflikte der Kinder sind im Prinzip nicht zu vermeiden. Da müssen nicht mal Worte anklingen, es reicht einfach:

  • Vater verlässt Mutter
  • Mutter ist am Boden zerstört und kann damit über Jahre nicht umgehen
  • Kinder bekommen immer wieder Informationen, die bei ihnen nichts zu suchen haben (und den anderen Elternteil in einem– sagen wir – speziellen Licht dastehen lassen)
  • Kinder werden immer wieder damit konfrontiert, dass der Vater etwas will, was die Mutter nicht will, er ist immer der Aggressor
  • bis hin zu Anträgen auf Umgangsregelung beim Familiengericht (die ja ausschliesslich der Vater stellen muss, da die Mutter nichts dafür tun muss, um ihre Position so zu halten), die zwar notwendig sind, aber von den Kindern natürlich nicht befürwortet werden können, da sie den anderen Elternteil schützen wollen und wollen, dass die Streitigkeiten aufhören
  • sie schlagen sich auf die Seite des (vermeintlich) schwächeren Elternteils (Zitat Familienberaterin) und entziehen dem anderen Elternteil (in diesem Fall dem Vater) ihr Vertrauen

Ergebnis: Ihnen geht ein Teil ihrer Identität verloren, da sie einen Elternteil (in jeweils individueller Ausprägung) ablehnen, verurteilen, bekämpfen.

Meine Kinder im Residenzmodell

…die ich sehen kann, die ich begleiten kann, für die ich da sein kann. Auch wenn es sehr hart ist, damit konfrontiert zu sein, dass sie es mittlerweile ablehnen, wofür ich mich als Vater jahrelang eingesetzt habe. Die andauernden Streitigkeiten haben einfach zur Folge, dass sich die Kinder auf eine Seite schlagen (Zitat Elternberatung); und das ist natürlich zeitweise der vermeintlich schwächere. Sie wollen ja nicht, dass er (scheinbar) immer weiter geschwächt wird. Ich denke, dass es fruchtbar sein kann, wenn sie älter sind. Es ist möglich, dass noch mehr ihrer Identität abgetötet wird und ich erkenne immer mehr an, dass es mir schlicht nicht möglich ist, dagegen etwas zu tun. Es ist nicht möglich, solange ein Elternteil meint, er wisse es besser und lehnt den anderen und seine Lebenssituation komplett ab. Damit wird ein Teil im Kind abgetötet.

Das Kind mit meiner jetzigen Partnerin ist eine wunderbare Möglichkeit, ein Kind in einer liebevollen, wertschätzenden und bereichernden Partnerschaft/Elternschaft groß werden zu lassen.
Als Krise in der Schwangerschaft begonnen, ist es etwas so Wunderbares und Wertvolles!

Mein Fokus

…den ich auf andere Dinge lenken kann, als auf die Auseinandersetzung mit der Kindesmutter. Das ist etwas, das ich über die Jahre erst lernen musste. Ich war anfangs ganz ausgefüllt von der Ohnmacht, nichts gegen die Übermacht der Kindesmutter (in der aussergerichtlichen Regelung der Betreuung) tun zu können. Oder den immer wieder auftauchenden Verwicklungen und Manipulationen.
Aber es geht. Einfach davon loslassen und dem eigenen Leben andere Werte und Inhalte geben. Am Ende ist es ein (wahnsinnig wichtiger) Lernprozess, der zu einem Wachstum bei mir geführt hat und weiter führt. Ich habe ein sinnvolles und wertvolles Leben, auch ohne die Abhängigkeit, Ohnmacht, Verwicklungen, Vorstellungen die Kinder betreffend.

Diese Stärke wächst mit jedem Tag und ich bin der Erfahrung unendlich dankbar!

Natürlich gibt es Dinge, für die man kämpfen sollte, bzw. die es wert sind, für sie zu kämpfen. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, mit welcher Haltung man kämpft. Eine Freundin und Begleiterin (Familienrichterin und Schamanin) sagte einst zu mir, dass es sogar möglich ist, das Sorgerecht zu erstreiten, solange man es mit reinem Herzen macht. Immer wenn Missgunst oder Hass dabei ist, wird man sich weiter verstricken.
Das hat mir wirklich sehr geholfen!

Meine Gesundheit

Während ich früher sehr oft und auch sehr lange krank war, Entzündungen, Schmerzen im Körper hatte und psychisch unter großem Druck stand, geht es mir heute viel viel besser. Alle vorgenannten Probleme haben nachgelassen, bzw. sind verschwunden und ich fühle mich geistig und körperlich viel wohler.

Meine Energie geht ganz explizit nicht mehr für vergiftete Beziehungen drauf, Abhängigkeiten und für das Aufrechterhalten von schädlichen Lebensumständen, sodass sie frei ist für produktive, aufbauende und lebensbejahende Umstände, in denen ich mich heute bewege.

Dafür bin ich sehr dankbar!

Teilen:
>